Alte Geschichte
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Die Munich Open-access Cuneiform Corpus Initiative (MOCCI)

Ein Kernanliegen des Lehrstuhls für die Alte Geschichte des Nahen und Mittleren Ostens (Karen Radner) an der LMU ist die Förderung der Digitalen Assyriologie. Mit der Bereitstellung von leicht zugänglichen open-access-Daten soll die weite Verbreitung sowie die einfache Nutzung nicht nur von offiziellen Herrscherinschriften, sondern auch von literarischen und Archivtexten der antiken Kulturen des Nahen und Mittleren Ostens sowohl in den Fachwissenschaften als auch darüber hinaus ermöglicht und das Verständnis für diese Texte gefördert werden. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt dabei auf den in Keilschrift in sumerischer und akkadischer Sprache geschriebenen Quellen des antiken Mesopotamien.

Geleitet von Radner und Jamie Novotny und in Zusammenarbeit mit dem Institut für Assyriologie und Hethitologie der LMU ist das MOCCI-Team bestrebt, Fachleuten wie Nicht-Fachleuten einen leichten Zugang zu Editionen von einer Vielzahl verschiedener, bedeutsamer Texte, überwiegend aus dem ersten Jahrtausend v. Chr., zur Verfügung zu stellen, welche sowohl geo-referenziert als auch linguistisch annotiert sind.

Aufbauend auf dem Erfolg der ersten fünf Jahre (August 2015 bis Dezember 2020) arbeitet das MOCCI-Team weiter daran, die reichen Primärquellen aus Assyrien und Babylonien sowie aus anderen Reiche der Zeit (z.B. des in Ostanatolien gelegenen Königreichs von Urartu) online in einem frei zugänglichen, vollständig durchsuchbaren und umfassend annotierten (lemmatisierten) Format zugänglich zu machen.

Mocci Banner

Einen Überblick über die Ziele und Aktivitäten des MOCCI-Teams ist zu finden in dem Beitrag von Radner und Novotny "Official Inscriptions of the Middle East in Antiquity: Online Text Corpora and Map Interface" in De Santis, Annamaria & Rossi, Irene (eds.) 2018, Crossing Experiences in Digital Epigraphy. From Practice to Discipline (Warsaw: De Gruyter Open), pp. 141-154.

Geleistete Arbeiten und aktuelle Vorhaben (August 2015 - Dezember 2020)

Während der ersten fünf Jahre (in denen wir durch die Einrichtung des Lehrstuhls für die Alte Geschichte des Nahen und Mittleren Ostens für Radner großzügig von der Alexander von Humboldt Stiftung und die Ludwig-Maximilians-Universität München (Historisches Seminar - Abteilung Alte Geschichte) unterstützt worden sind) konzentrierte sich unsere Arbeit auf die Erstellung von zwei bedeutenden digitalen Textkorpora und die Schaffung einer interaktiven Karten-Oberfläche:

(1) Official Inscriptions of the Middle East in Antiquity (OIMEA),
(2) Archival Texts of the Middle East in Antiquity (ATMEA) und
(3) Ancient Records of Middle Eastern Polities (ARMEP).

(1) Das Korpus der Official Inscriptions of the Middle East in Antiquity (OIMEA) umfasst mehrere Unterkorpora, welche direkt oder indirekt von verschiedenen Mitlgiedern unseres Teams verwaltet werden, insbesondere von Alexa Bartelmus (2015–16), Nathan Morello (2016–20), Novotny, und Frauke Weiershäuser (2016–). Neben Texten in akkadischer und sumerischer Sprache beinhaltet OIMEA derzeit auch die Korpora der auf Altpersisch und auf Urartäisch verfassten offiziellen Inschriften. Im Folgenden sind die zentralen OIMEA-Projekte genannt. Diese umfassen derzeit 2.935 Inschriften, die in verschiedenen Formen der Keilschrift abgefasst worden sind:

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Während sich unsere eigene Arbeit auf Keilschriftquellen des zweiten und insbesondere des ersten Jahrtausends v. Chr. konzentriert, sind wir sehr daran interessiert, Wege zu finden, OIMEA auch um Textquellen der gleichen Epochen zu ergänzen, welche jedoch in anderen Schriftsystemen abgefasst wurden. Hier ist insbesondere an Texte in aramäischer und phönizischer Alphabetschrift sowie in Hieroglyphen-Luwisch zu denken.

(a) Das Korpus von The Royal Inscriptions of Assyria online (RIAo) umfasst aktualisierte und annotierte Editionen nahezu aller bekannter assyrischer Inschriften aus der Zeit vom Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. bis zum Ende des assyrischen Reiches im späten 7. Jahrhundert v. Chr. (1713 Texte), sowie eine Vielzahl weiterführender Informationsseiten, welche diese Quellen in ihren historischen und kulturellen Kontexte stellen. Das ursprüngliche Ziel von RIAo war es, die 866 Inschriften zu digitalisieren und zu lemmatisieren (linguistisch auszuzeichnen), welche von A. Kirk Grayson in drei Bänden in dem inzwischen beendeten Projekt „Royal Inscriptions of Mesopotamia (RIM)“ in Toronto publiziert worden waren. Außerdem sollte eine nutzerfreundliche Webseite geschaffen werden, welche Informationen über die 116 Herrscher von Assyrien und die in ihrem Namen verfassten Inschriften anbietet und diese wichtigen Quellen in ihren historischen, kulturellen und archäologischen Kontext stellen. Für die Inschriften aus der Zeit nach 745 v. Chr. bestand eine enge Kooperation mit dem an der University of Pennsylvania angesiedelten Royal Inscriptions of the Neo-Assyrian Period (RINAP)-Project (unter der Leitung von Grant Frame). Im Rahmen dieses Projektes bereitet Novotny derzeit eine neue Print- und Online-Edition der Königsinschriften von Assyriens letztem großen Herrscher Assurbanipal und seinen weniger bekannten Nachfolgern vor (668–612 v. Chr.). Teil 1 (in Zusammenarbeit mit Joshua Jeffers von der University of Pennsylvania) wurde 2018 veröffentlicht, die Teile 2 und 3 werden derzeit bearbeitet und sollen 2021 und 2022 publiziert werden.
Die 827 offiziellen Inschriften, die im Rahmen des RINAP-Projektes zwischen 2011 und 2020 publiziert worden sind, einschließlich der unlängst (November 2020) von Frame publizierten Inschriften von Sargon II. (721–705 v. Chr.), wurden in das RIAo-Korpus aufgenommen und stehen jetzt open-access zur Verfügung. Derzeit müssen nur die 189 Inschriften von Assurbanipal, welche 2021 im Druck publiziert werden sollen, noch dem RIAo-Korpus hinzugefügt werden. Phase 1 der Arbeiten an RIAo, welche hauptsächlich von Morello ausgeführt wurde, konnte im Dezember 2020 abgeschlossen werden. In Phase 2 sollen verschiedene kurz- bis mittelfristige Ziele erreicht werden (s. unten).

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(b) In dem Projekt The Royal Inscriptions of Babylonia online (RIBo) werden aktuelle Editionen aller in akkadischer und sumerischer Sprache verfassten Königsinschriften der Herrscher von Babylon aus der Zeit von 1157 bis 64 v. Chr. zur Verfügung gestellt, in der Summe ca. 390 Texte. Das ursprüngliche Ziel von RIBo war die Digitalisierung, Aktualisierung und Lemmatisierung der 155 Inschriften der Könige von Babylon, welche von Frame 1995 im Rahmen des inzwischen abgeschlossenen RIM-Projekts publiziert worden waren, sowie der 30 Texte der neubabylonischen Könige Nabopolassar, Amel-Marduk und Neriglissar, welche 2013 von Rocío Da Riva veröffentlich wurden, und der 57 Inschriften von Babylons letzten einheimischen Herrscher Nabonid, die 2001 von Hanspeter Schaudig publiziert worden waren. Dieses Arbeitsvorhaben wurden 2017 von Bartelmus, Novotny und Weiershäuser abgeschlossen.
Im Juni 2017 begann offiziell die Phase 2 der Arbeiten an RIBo, als Radner und Frame das Royal Inscriptions of the Neo-Babylonian Empire (RINBE)-Projekt mit dem Ziel initiierten, eine vollständige Edition der offiziellen Inschriften der letzten einheimischen Könige von Babylon (625–539 v. Chr.) sowohl als Druckpublikation in drei Bänden, verfasst von Weiershäuser und Novotny, als auch in Form einer annotierten, frei zugänglichen digitalen Edition vorzulegen, die modernen, wissenschaftlichen Standards entspricht. Die Arbeiten an diesen Publikationen sollen 2022 abgeschlossen werden. Gefördert wurde das Projekt von der Gerda Henkel-Stiftung.
Eine lemmatisierte Edition aller bereits früher publizierter Inschriften von Nabopolasser, Nebukadnezar II., Amel-Marduk, Neriglissar und Nabonid sind bereits über das RIBo-Unterprojekt „Babylon 7“ verfügbar, zumeist mit einer englischen und einer deutschen Übersetzung. Der einführende Band der Serie RINBE — The Royal Inscriptions of Amēl-Marduk (561-560 BC), Neriglissar (559-556 BC), and Nabonidus (555-539 BC), Kings of Babylon (Royal Inscriptions of the Neo-Babylonian Empire 2) — wurde im November 2020 bei Eisenbrauns publiziert. Die beiden verbleibenden Bände, RINBE 1/1 (The Royal Inscriptions of Nabopolassar (625-605 BC) and Nebuchadnezzar II (604-562 BC), Kings of Babylon, Part 1) und RINBE 1/2 (The Royal Inscriptions of Nabopolassar (625-605 BC) and Nebuchadnezzar II (604-562 BC), Kings of Babylon, Part 2) werden voraussichtlich in den Jahren 2021 und 2022 vorgelegt werden. Ferner ist geplant, bis Ende 2021 das bereits existierende Korpus der Texte von RIBo um die offiziellen Herrscherinschriften des dritten und zweiten Jahrtausend v. Chr. zu erweitern, einschließlich der Inschriften der Könige von Akkad und der Könige der ersten Dynastie von Babylon. Vorläufige Online-Editionen sind bereits von Novotny und Frans van Koppen angefertigt worden. Zu einem späteren Zeitpunkt ist in Kooperation mit Frame auch die Aufnahme der Inschriften aus der Kassitenzeit in das RIBo-Korpus geplant.

(c) Das Korpus Inscriptions of Suhu online beinhaltet lemmatisierte (linguistische annotierte) Transliterationen und englische Übersetzungen der 33 bekannten Inschriften der Herrscher von Suhu, einem kleinen aber mächtigen Königreich, das am Ende des ersten Jahrtausends v. Chr. am mittleren Euphrat blühte. Außerdem werden weitere Hilfsmittel und Materialien für das Studium dieser Texte bereitgestellt. Die Texte in akkadischer Sprache wurden von Frame 1995 im Rahmen des RIM-Projektes im Druck publiziert. Die Schaffung dieses Online-Korpus diente auch als frühe Fallstudie für die Arbeit des neu konstituierten MOCCI-Teams. Die digitale Erfassung diese Korpus durch Bartelmus und Novotny war 2016 abgeschlossen.

(d) Das Electronic Corpus of Urartian Texts (eCUT) macht die Schriftquellen des einst mächtigen Gebirgs-Königreiches Urartu online verfügbar, indem es digitale Editionen begleitet von englischen und italienischen Übersetzungen bereitstellt. Daneben bieten verschiedene Webseiten nutzerfreundlich aufbereitete, zentrale Informationen zu diesem erbitterten Rivalen des Assyrischen Reiches, der im ersten Jahrtausend v. Chr. das Hochland in einem Gebiet, das heute zur Türkei, dem Iran und Armenien gehört, von seiner Hauptstadt Ṭušpa am Ostufer des Van-Sees aus beherrschte. Diese Edition von 742 lemmatisierten urartäischen Texten basiert auf dem fünfbändigen Corpus dei testi urartei (CTU I-V, 2008-2018) von Mirjo Salvini (Rom), der uns nicht nur großzügig die elektronische Fassung seiner Daten zur Verfügung stellte, sondern auch als wichtigster Berater von eCUT zur Seite stand. Birgit Christiansen (2016-2020) übernahm den Hauptteil der Arbeit an eCUT und adaptierte, überarbeitete und lemmatisierte (annotierte) die urartäischen Inschriften aus Salvinis CTU 1–V und erstellte die englischen Übersetzungen. eCUT wurde im August 2020 abgeschlossen.

(e) Das Korpus Achaemenid Royal Inscriptions online (ARIo) umfasst alle in altpersischer Sprache verfassten Keilschrifttexte. Von 2016 bis 2018 und 2020 hat Henry Heitmann-Gordon den von Rüdiger Schmitt publizierten Band Die altpersischen Inschriften der Achaimeniden (2009) digitalisiert und lemmatisiert (linguistisch annotiert). Matt Stolper (Chicago) war so freundlich, weitere Texte in akkadischer und elamischer Sprache digital zur Verfügung zu stellen. ARIo enthält darüber hinaus weiterführende Informationsseiten zu den Herrschern des persischen Reiches sowie zu einzelnen Inschriften. Die Arbeit an diesem Projekt ist noch nicht abgeschlossen. Mittelfristig streben wir an, die annotierte Edition um Inschriften in akkadischer und elamischer Sprache zu erweitern.

(2) Archival Texts of the Middle East in Antiquity (ATMEA) ist ein übergreifendes Korpus, welches derzeit das Korpus der Archival Texts of the Assyrian Empire (ATAE) umfasst. ATAE verbindet Editionen und Übersetzungen von Archivtexten aus zahlreichen Fundorten des assyrischen Reiches mit einer stark erweiterten und aktualisierten Fassung des State Archives of Assyria online (SAAo)-Korpus, welches 2007 von Radner unter Nutzung der von Simo Parpola (Helsinki) zur Verfügung gestellten Daten am University College London initiiert worden war. Zwischen August 2015, als SAAo ein Teilprojekt von MOCCI an der LMU München wurde, und August 2020 haben Mikko Luukko (2016–19) und Morello (2016-20) 13 zuvor publizierte Bände der Serie SAA lemmatisiert, welche bis dahin noch nicht linguistisch annotiert waren, insgesamt 2211 neuassyrische Texte, darunter die Staatskorrespondenz, die Korrespondenz der Könige mit ihren Beratern, Treuevereinbarungen und Verträge wie den Nachfolgevertrag des Asarhaddon und seinen Vertrag mit dem phönizischen Stadtstaat von Tyros, sowie Opferschau- und astrologische Berichte. Damit konnte das MOCCI-Team die Digitalisierung und Annotation aller bereits publizierter Bände der Serie SAA für SAAo abschließen. Ein weiterer SAA-Band mit 173 Briefen wird in das Korpus mit aufgenommen, sobald der Band im Druck erschienen ist. Darüber hinaus hat das MOCCI-Team die Einleitungen der SAA-Bände für die Webversion angepasst und erweitert sowie den Katalog der Metadaten dieses Korpus verbessert und ergänzt. Seit 2020 wurden die Einleitungen von SAA 1–6, 8, 12–13, 17–18 und 20–21, sowie jene des ergänzenden Bandes State Archives of Assyria Studies (SAAS 2) in ein suchbares open-access HTML-Format konvertiert. Im Verlauf des Jahres 2021 werden die Einleitungen der verbleibenden SAA-Bände im Zuge der Erweiterung und Verbesserung von SAAo ebenso konvertiert werden. Die derzeit in SAAo zusammengefassten 5058 Texte stellen den Großteil des Korpus der Archival Texts of the Assyrian Empire (ATAE), welche derzeit vom MOCCI-Team bearbeitet werden. Der Aufbau dieses Korpus soll jedoch nicht auf die Texte aus Ninive, welche im SAAo-Korpus zusammengefasst sind, beschränkt bleiben, sondern wird momentan durch weitere annotierte Editionen von Archivtexten ergänzt. Diese stammen nicht nur aus den bedeutenden assyrischen Städten Assur (Qalat Sherqat) und Kalhu (Nimrud; biblisch Kalah), sondern auch aus Provinzzentren wie Guzana (Tell Halaf), Marqasu (Kahramanmaraş), Sam'al (Zinçirli), Til-Barsip (Tell Ahmar), und Tušhan (Ziyaret Tepe), sowie auch aus kleineren Provinzstädten wie Burmarina (Tell Shiouq Fawqani), Dur-Katlimmu (Tell Sheikh Hamad), Huzirina (Sultantepe), Imgur-Enlil (Balawat), Ma'allanate (nicht identifiziert) und Šibaniba (Tell Billa). Anfang 2021 wurde ATAE umstrukturiert und erheblich erweitert, indem zahlreiche neue Texte hinzugefügt und Teilprojekte für die oben genannten vierzehn Städte erstellt wurden, in denen neoassyrische Archivtexte entdeckt worden sind. Stand April 2021 umfasst das ATAE-Korpus ca. 7.150 neoassyrische Archivtexte aus 16 verschiedenen Orten und 76 verschiedenen Archivkontexten. Im Laufe des Jahres 2021 werden die Quellen aus Assur, Guzana, Kalhu und Ma'allanate lemmatisiert und ins Englische übersetzt (sofern der Text noch keine englische Übersetzung erhalten hat). Die Arbeit an ATAE wird von Mary Frazer (2021–), Luuko (2021–), Novotny, Radner, Poppy Tushingham (2017–), und Weiershäuser (2021–) ausgeführt, unterstützt von zahlreichen anderen Forschern. Die Arbeit an diesem Projekt wird momentan als eines von MOCCIs kurz- und mittelfristigen Vorhaben weitergeführt.

Karen Radner und Frauke Weiershäuser mit Anmar A. Fadhil beim Besuch in Uruk

(3) Um den Nutzern den Zugang innerhalb der annotierten und geo-referenzierten Daten zu erleichtern und eine korpusübergreifende Suche zu ermöglichen, hat das MOCCI-Team eine interaktive Kartenoberfläche mit dem Namen Ancient Records of Middle Eastern Polities (ARMEP) geschaffen. ARMEP ist in Zusammenarbeit mit dem LMU Center for Digital Humanities unter der Leitung von Christian Riepl und Stephan Lücke zwischen 2017 und 2020 von David und Tobias Englmeier entwickelt worden. Unsere interaktive Karte zeigt derzeit rund 200 Fundorte, in denen etwa 41.300 antike Texte entdeckt worden sind. Die annotierten Editionen dieser Texte können von den Nutzern direkt über die Kartenoberfläche erreicht werden. Das Update ARMEP 2.0, welches im Mai 2020 veröffentlicht wurde, ermöglicht es den Nutzern, sowohl Komposittexte als auch individuelle Manuskripte nicht nur anhand von 15 verschiedenen Filtern nach den Metadaten der Kataloge zu durchsuchen (u.a. nach Objekttyp, Schreibmaterial, Sprache, Schrifttyp, Zeitperiode, antikem Autor und Textgenre), sondern innerhalb dieser Texte auch nach inhaltlichen Kriterien (Übersetzung, Transliteration, Lemma oder Keilschriftzeichen) zu suchen. Inzwischen umfasst der Datensatz von ARMEP weit mehr als die von MOCCI bearbeiteten Korpora. Folgende unter dem Dach des Open Richly Annotated Cuneiform Corpus (Oracc) zusammengefasste Korpora konnten in ARMEP integriert werden: Astronomical Diaries Digital (ADsD); Akkadian Love Literature (akklove); Amarna Texts (Amarna); Bilinguals in Late Mesopotamian Scholarship (BLMS); Corpus of Ancient Mesopotamian Scholarship (CAMS); Corpus of Akkadian Shuila-Prayers online (CASPo); Cuneiform Commentaries Project (CCPo); Corpus of Kassite Sumerian Texts (CKST); Digital Corpus of Cuneiform Lexical Texts (DCCLT); Digital Corpus of Cuneiform Mathematical Texts (DCCMT); Electronic Corpus of Urartian Texts (eCUT; LMU München); Electronic Idrimi (idrimi); Electronic Text Corpus of Sumerian Royal Inscriptions (ETCSRI); Inscriptions of Suhu online (Suhu; LMU München); Old Babylonian Model Contracts (OBMC); Old Babylonian Tabular Accounts (OBTA); Royal Inscriptions of Assyria online (RIAo; LMU München); Royal Inscriptions of Babylonia online (RIBo; LMU München) Royal Inscriptions of the Neo-Assyrian Period (RINAP; UPenn und LMU München); State Archives of Assyria online (SAA; früher UCL, jetzt LMU München); and Text Corpus of Middle Assyrian (TCMA). Das nicht von LMU-Mitarbeitern bearbeitete Material wurde großzügig bereitgestellt von Jacob Jan de Ridder, Eckart Frahm, Shlomo Izre'el, Enrique Jiménez, Jacob Lauinger, Alan Lenzi, Reinhard Pirngruber, Eleanor Robson, Gabriella Spada, Steve Tinney, Niek Veldhuis, Nathan Wasserman, and Gábor Zólyomi. Die verwendeten Bilddaten wurden mit freundlicher Genehmigung von der Cuneiform Digital Library Initiative (CDLI) zur Verfügung gestellt.

Kurz- und mittelfristige Ziele (2021–)

Für die kommenden Jahre plant das MOCCI-Team, einige der derzeit laufenden Projekte abzuschließen, einige andere auszuweiten und zumindest ein weiteres längerfristiges Projekt zu beginnen. Zwischen 2021 und 2023 beabsichtigen wir, die Arbeit an den Textkorpora RINAP, RINBE und SAA mit der Publikation (digital und als Druckfassung) von fünf Büchern abzuschließen:
(a) Novotny and Jeffers, The Royal Inscriptions of Ashurbanipal (668–631 BC), Aššur-etel-ilāni (630–627 BC) and Sîn-šarra-iškun (626–612 BC), Kings of Assyria, Part 2 (Royal Inscriptions of the Neo-Assyrian Period 5/2) [2021];
(b) Weiershäuser and Novotny, The Royal Inscriptions of Nabopolassar (625-605 BC) and Nebuchadnezzar II (604-562 BC), Kings of Babylon, Part 1 (Royal Inscriptions of the Neo-Babylonian Empire 1/1) [2021];
(c) Novotny, Jeffers, and Frame, The Royal Inscriptions of Ashurbanipal (668–631 BC), Aššur-etel-ilāni (630–627 BC) and Sîn-šarra-iškun (626–612 BC), Kings of Assyria, Part 3 (Royal Inscriptions of the Neo-Assyrian Period 5/3) [2022];
(d) Weiershäuser and Novotny, The Royal Inscriptions of Nabopolassar (625-605 BC) and Nebuchadnezzar II (604-562 BC), Kings of Babylon, Part 2 (Royal Inscriptions of the Neo-Babylonian Empire 1/2) [2022]; und
(e) Frame, The Correspondence of Assurbanipal, Part I: Letters from Southern Babylonia (State Archives of Assyria 22) [online edition].

Daneben werden RIBo, SAAo und ATEA erweitert werden. Zwei neue Unterprojekte werden RIBo ergänzen, von denen eines die Inschriften der Könige von Akkad umfasst (2334–2113 v. Chr.), das andere die Inschriften der Herrscher der ersten Dynastie von Babylon (1950–1595 v. Chr.). Außerdem sollen weitere ATEA-Projekte veröffentlicht werden, beginnend mit den Texten aus Assur, die Radner in den Jahren 1999 und 2016 publiziert hat, gefolgt von Provinzarchiven aus Burmarina, Dur-Katlimmu, Ma'allanate, Til-Barsip und Tušhan.

Wenn alle genannten, derzeit in Bearbeitung befindlichen Bände publiziert sind, wollen wir uns auf ein neues, mehrjähriges Projekt konzentrieren, in welchem sowohl das Material, welches A. Kirk Grayson zwischen 1987 und 1996 für das in Toronto beheimatete Projekt “Royal Inscriptions of Mesopotamia” publiziert hat, als auch die Texte des von MOCCI bearbeiteten RIAo-Korpus mit den Inschriften der assyrischen Herrscher aus der Zeit vor 745 v. Chr. aktualisiert und erweitert werden soll. Diese geplante Serie mit dem Titel Royal Inscriptions of Assyria (RIA) wird zum einen fünf Bände im Druck umfassen und zum anderen das in RIAo versammelte, frei zugängliche, linguistisch annotierte Textkorpus aktualisieren und erweitern. Eine Kooperation mit Grayson (Toronto) und Frame (Philadelphia) ist bereits vereinbart worden.

Das MOCCI-Team umfaßt derzeit Alexa Bartelmus, David and Tobias Englmeier, Giulia Lentini, Jamie Novotny, Karen Radner, Poppy Tushingham, and Frauke Weiershäuser.

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