Alte Geschichte
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Schreiberkultur in Assur (L. Grill)

Schreiberkultur in Aššur. Konzeptualisierungen und Wissensvermittlung in den lexikalischen Traditionen der Spätbronzezeit

Dissertationsprojekt von Louisa Grill

Betreuerin: Prof. Dr. Karen Radner

Die Dissertation befasst sich mit der Schreiberkultur Aššurs in mittelassyrischer Zeit (ca. 1500–1000 v. Chr.), wobei der Schwerpunkt auf der Konzeption und Weitergabe von Wissen an diesem Ort im Allgemeinen sowie auf dessen Beziehung zu und Interaktion mit zeitgenössischen lexikalischen Traditionen der späten Bronzezeit (LBA) im Besonderen liegt.

Zwar wurden mesopotamische Schreiberkulturen und lexikalische Texte bereits umfassend untersucht, doch liegt der Schwerpunkt in der Regel auf der gut belegten altbabylonischen Zeit (Veldhuis 1998; Delnero 2012; Crisostomo 2019) sowie in geringerem Maße auf der sargonischen (Kraus 2020), kassitischen (Bartelmus 2016), neubabylonischen (Gesche 2001) und in jüngerer Zeit auch der neuassyrischen Zeit (Maul/Manasterska 2023). Die Verbreitung der Keilschrift in ganz Westasien und der Aufstieg des Akkadischen zur Lingua franca während der Spätbronzezeit haben jedoch vermehrt das wissenschaftliche Interesse auf Fragen der Form, Funktion und Überlieferung von lexikalischem Material aus Fundstätten wie Ḫattuša in Anatolien (Scheucher 2012; Boddy 2021), Emar im heutigen Syrien (Gantzert 2008) und Ugarit in der Levante (Huehnergard 1987; van Soldt 2011; ebd. 2019) gerichtet. Trotz der Rolle des mittelassyrischen Königreichs als bedeutende Macht in der Spätbronzezeit und seiner belegten Interaktion mit anderen Fundstätten hat die Schreiberkultur seiner Hauptstadt Aššur bislang nur eine untergeordnete Rolle in der Forschung gespielt, und die lexikalischen Texte aus Aššur wurden überhaupt erst kürzlich ediert (Weiershäuser/Hrůša 2018;  2020; 2023).

Vor diesem Hintergrund ist eine eingehendere Untersuchung angebracht. Das Dissertationsprojekt verfolgt daher zwei Ziele:

(1) Es soll die Schreiberkultur von Aššur untersucht werden, indem nicht nur Aspekte wie ihre Organisationsprinzipien, der Sprachgebrauch sowie Intertextualität und Variation analysiert werden, sondern auch die archäologischen und archivalischen Kontexte sowie die Frage nach den Identitäten der Schreiber mit einbezogen werden. Ziel ist es, sich dadurch auch den antiken Konzeptionen von Wissen, dessen Darstellungen und Vermittlungen anzunähern.

(2) Gleichzeitig ermöglichen die bisherigen Studien zu Übertragungsprozessen im nordwestlichen Westasien eine festere Einbindung des Materials aus Aššur und die Ermittlung des Ausmaßes gegenseitiger Beeinflussung zwischen dem lexikalischen Material aus Aššur, Ḫattuša, Emar, Ugarit und Babylonien, wodurch Prozesse der Wissensübertragung von Mesopotamien in den Westen und umgekehrt weiter beleuchtet werden.