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Das Peshdar Plain Project: Die Erforschung einer Grenzmark des Assyrischen Reichs zum Iran

Geleitet von Prof. Dr. Karen Radner

Kurze aktuelle Kampagnenberichte finden Sie auf der englischen Projektseite

I. Peshdar Plain Projekt Publikationen

PeshdarPlainCover1Karen Radner, Janoscha Kreppner & Andrea Squitieri (Hrsg.), Exploring the Neo-Assyrian Frontier with Western Iran: The 2015 Season at Gird-i Bazar and Qalat-i Dinka. Peshdar Plain Project Publications 1. Gladbeck: PeWe-Verlag, 2016. ISBN 978-3-935012-20-1.

Druckausgabe: 30 x 21 cm; gebunden.

Zu bestellen beim PeWe-Verlag
Open Access version hier zum Download


Cover Peshdar Plain 2Karen Radner, Janoscha Kreppner & Andrea Squitieri (eds.), Unearthing the Dinka Settlement Complex: The 2016 Season at Gird-i Bazar and Qalat-i Dinka. Peshdar Plain Project Publications 2. Gladbeck: PeWe-Verlag, 2017. ISBN 978-3-935012-28-7.

Druckausgabe: 30 x 21 cm; gebunden.

Zu bestellen beim PeWe-Verlag
Open Access version hier zum Download

 

II. Projektvorstellung

 


1. Panoramablick über die Peshdar-Ebene in der Autonomen Kurdischen Region des Iraks.

Eingebettet in die außergewöhnliche Berglandschaft des irakischen Kurdistan liegt die Peshdar-Ebene in der Provinz Sulaymaniyah, im Distrikt Qaladze. Damit befindet sie sich in der Autonomen Kurdischen Region des Iraks (Abb. 1), direkt an der Grenze zum Iran am Oberlauf des Kleinen Zab. Das Kreiszentrum ist die kleine Stadt Qaladze (Qalat Dizeh) im Nordwesten der Ebene. Der beeindruckende Siedlungshügel der Stadt (36° 11’ 7” N, 45° 6’ 53” E) ist dabei ein deutliches Zeichen, dass dieser Ort seine herausragende Stellung schon seit der Antike innehat. Unsere Forschung wirft neues Licht auf eine bisher wenig untersuchte Grenzregion des Assyrischen Reiches (ca. 900-600 v. Chr.), insbesondere auf die Grenzmark des Palastherolds an der Grenze zum Königreich Mannea.

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2. Die Ausmaße des Assyrischen Reiches im späten 8. Jahrhundert v. Chr. und die Lage der Peshdar-Ebene mit Gird-i Bazar und Qalat-i Dinka, sowie wichtige Vergleichsorte.

Das Peshdar Plain Projekt wurde im Jahr 2015 ins Leben gerufen und zielt darauf ab, die alte Geschichte dieses bisher wissenschaftlich vernachlässigten Gebietes zu erforschen. Unser besonderes Interesse gilt dabei der Zeit zwischen dem 9. und dem 7. Jahrhundert v. Chr., in der das Neuassyrische Reich diese Gegend kontrollierte (Abb. 2). Das Projekt vereint dazu eine Vielzahl internationaler Experten auf den Gebieten der Alten Geschichte, Archäologie, Archäobotanik, Archäozoologie, Geoarchäologie, Mikrofossilienanalyse, Archäometrie, Geophysik, GIS, Photogrammetrie sowie der Keilschriftkunde. Das Peshdar Plain Projekt konzentriert sich auf zwei Fundstätten: das winzige Gird-i Bazar (36° 8’ 18” N, 45° 8’ 28” E), einen nur 1,5 ha großen und flachen Hügel (Höhe: 539 m), der in der Ebene selbst liegt, und das eindrucksvollere Qalat-i Dinka (36° 8’ 12” N, 45° 7’ 57” E; Höhe: 579 m). Dinka liegt hoch über dem Kleinen Zab auf jener imposanten Felsnase, die den letzten Sporn eines halbmondförmigen Gebirgszuges bildet, der die Peshdar-Ebene Richtung Qaladze abschließt (Abb. 3). Die Ausgrabungen an diesen Fundorten sind Rettungsprojekte, da sich die landwirtschaftliche Nutzung der Ebene zurzeit rapide wandelt und die damit einhergehende Zerstörung ihre archäologischen Stätten bedroht.

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3. Qalat-i Dinka und Gird-i Bazar aus der Vogelperspektive.

Als Karen Radner am 16. Februar 2015 die Raniyah-Ebene besuchte, zeigte ihr Barzan Baiz Ismail vom Sulaymaniyah Directorate for Antiquities and Heritage eine fragmentarische, sekundär befeuerte Keilschrifttafel, die bei landwirtschaftlichen Arbeiten auf Qalat-i Dinka im Jahr 2013 gefunden worden war. Die Autopsie der Tafel zeigte, dass es sich um eine neuassyrische Rechtsurkunde handelt, die ins Jahr 725 v. Chr. datiert. Spannend ist dabei die Nennung eines Diener des Palastherolds als Zeuge des solchermassen beurkundeten Verkaufs einer Sklavin. Bei einem Folgebesuch in Qalat-i Dinka wurde auf das nahegelegene Gird-i Bazar aufgesucht, auf Anregung von Jessica Giraud, der Direktorin des Sulaymaniyah Governorate Archaeological Survey (MAFGS), die im Jahr 2013 in der Region einen Survey durchgeführt hatte. Es stellte sich heraus, dass Gird-i Bazar wenige Monate zuvor im Zuge der Errichtung einer industriellen Hühnerfarm stark beschädigt worden war. Rasch beschlossen wir, am akut bedrohten Hügel eine Rettungsgrabung durchzuführen, die im Rahmen einer breiter angelegten Untersuchung der Peshdar-Ebene stattfinden sollte. Diese Untersuchung schließt auch auf Qalat-i Dinka ein, das jedes Jahr durch Pflügen beschädigt wird. Das Sulaymaniyah Directorate of Antiquities and Heritage unter der Leitung von Kamal Rasheed Zewe lieferte sofort administrative Unterstützung und trug in der Folge äußerst wertvolle personelle und logistische Unterstützung zu allen Bereichen des Projekts bei. Janoscha Kreppner sagte noch am selben Tag die Grabungsleitung zu. Finanzielle Mittel für eine erste Kampagne im Feld standen glücklicherweise sofort zur Verfügung, da Radner den Internationalen Preis für Forschung in Deutschland 2015 („Alexander-von-Humboldt Professur“) erhalten hatte.

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4. Nach dem erfolgreichen Zusammenbau der Flotationsmaschine. Von links: Peter Bartl, Jean-Jacques Herr, Christoph Forster und Barzan Baiz Ismail.

In der ersten Grabungssaison im August und September 2015 (Abb. 4-7) wurde ein geophysikalischer Survey beider Stätten durchgeführt und mit den Rettungsgrabungen in Gird-i Bazar begonnen. Dies stellt die erste Ausgrabung eines neuassyrischen Fundorts in der Region dar (Abb. 8-9). Die Siedlung, die hier langsam zutage tritt, bietet nicht nur eine vergleichsweise seltene Gelegenheiten, einen nicht der Elite gewidmeten Produktionskomplex neuassyrischer Zeit in einer Grenzregion zu erforschen, sondern auch die Chance die Keramik des Westirans mit den assyrischen Produkten des 8. und 7. Jahrhunderts zu synchronisieren.

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5. Links: Hero Salih Ahmed bei der Keramikaufnahme.

6. Rechts: Die letzten Tage der ersten Kampagne in Gird-i Bazar: Alice Hunt, Tina Greenfield, Hero Salih Ahmed und Adam Stone, mit Andrea Squitieri im Hintergrund.

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                                                       7. Peter Bartl bei der Arbeit im Westschnitt.

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8. Links: Andrei Asandulesei während der geophysikalischen Prospektion von Qalat-i Dinka.
9. Rechts: Das Geophysik-Team in Gird-i Bazar. Von links: Andrei Asandulesei, Janoscha Kreppner, Hero Salih Ahmed und Jörg Faßbinder.

Das 2015er Team (Abb. 10-11): Hero Salih Ahmed (Sulaymaniyah Directorate of Antiquities): Keramikaufnahme und stellvertretende Schnittstellenleitung, Ostareal; Mark Altaweel: Kartierung und Offsite-Archäologie (UCL); Andrei Ašandulesei (Alexandru Ioan Cuza University of Iași, Rumänien): Geophysik und Kartierung; Peter Bartl (FU Berlin): Schnittstellenleiter, Westareal; Jörg Fassbinder (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München): Geophysik; Christoph Forster (Berlin, Fa. Datalino): Datenbankerstellung und Photogrammetrie; Tina Greenfield (University of Manitoba, Winnipeg, Canada): Bioarchäologie; Jean-Jacques Herr (EPHE, Paris): Leitung der Keramikaufnahme; Alice Hunt (University of Georgia, Athens, USA): Materialanalyse; Barzan Baiz Ismail (Sulaymaniyah Directorate of Antiquities): Vertreter der Antikenbehörde; Janoscha Kreppner (LMU München & FU Berlin): Grabungsleitung; John MacGinnis (University of Cambridge): Schnittaufseher, Ostareal; Anke Marsh (UCL): Geoarchäologie; Karen Radner (LMU München): Projektleitung und Epigraphik; Andrea Squitieri (UCL & jetzt LMU München): Kartierung, Datenbankmanagement und Dokumentation; Adam Stone (University of Cambridge): Schnittstellenleitung des Verbindungsschnitts; Muhamad Kahraman Walika: Keramikzeichner; Eleanor Barbanes Wilkinson (University of Durham): Kleinfunde und stellvertretende Schnittstellenleitung, Westareal; Aziz Sharif (Sulaymaniyah Directorate of Antiquities): Fahrer; Ibrahim Manla Issa: Koch; und 12 Arbeiter, größtenteils aus dem Dorf Nureddin.

Wir sind Kamal Rasheed Zewe und besonders auch Saber Ahmed Saber vom Sulaymaniyah Directorate of Antiquities zu großem Dank verpflichtet für ihre unendlich wertvolle Unterstützung in Sulaymaniyah und in Qaladze. Auch unserer Projektpartnerin Jessica Giraud (IFAO Erbil) gilt unser aufrichtiger Dank für ihre dynamische Unterstützung in Forschung und Logistik. Herzlichen Dank an die LMU-Kolleginnen Adelheid Otto und Simone Mühl, die uns großzügig Geräte zur Verfügung gestellt haben, und natürlich auch an die Humboldtstiftung, ohne die die Grabung so nicht möglich gewesen wäre.

10. Das Team der Gird-i Bazar Grabung. Von links: Janoscha Kreppner, Mark Altaweel, Karen Radner, Christoph Forster, Anke Marsh, Andrea Squitieri, Barzan Baiz Ismail, Hero Salih Ahmed, Aziz Sharif.

 

                                              

 

 

 

 

11. Am Ende der 2015er Saison. Mit herzlichem Dank an das ganze Team!

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