Alte Geschichte
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Archäologische, historische und numismatische Untersuchungen zu den Medaillons der Severerzeit (J. Lorenz)

Severus Alexander und Julia Mamaea:

Vs: IMP SEV ALEXANDER AVG IVLIA MAMAEA AVG / MATER AVG. Gepanzerte Büste des Severus Alexander mit Paludament und Lorbeerkranz und drapierte Büste der Julia Mamaea mit Diadem einander gegenüber.

Rs: FIDES MILI-TVM. Severus Alexander in Militärtracht nach rechts stehend, aus Patera in seiner Rechten über brennendem Dreifuß opfernd und in der Linken Zepter haltend, hinter ihm steht Mars mit Schild und Helm und bekränzt den Kaiser. Auf der rechten Seite steht Jupiter mit Chlamys, Blitzbündel und Zepter nach links, links zu seinen Füßen ein zu ihm aufblickender Adler, im Hintergrund zwei Standarten.

C. 9 var.; BMC 734 corr.; Gnecchi II, S. 84, 4 und Taf. 101, 3. 56,45 g.

Betreuer: Prof. Dr. Stefan Ritter und PD Dr. Kay Ehling

Bei römischen Medaillons handelt es sich um Sonderprägungen, die in der staatlichen Münzstätte Rom hergestellt wurden und vom Kaiser an einen kleinen Personenkreis im Umfeld des Hofes als Geschenke verteilt wurden. Anlässe für die Prägung von Medaillons können einerseits wiederkehrende Ereignisse (z. B. der Kaisergeburtstag, der dies imperii oder Neujahr) gewesen sein, andererseits lassen sich manche Emissionen auch mit konkreten historischen Ereignissen wie etwa Feldzügen oder der Nachfolgeregelung des Herrschers in Verbindung bringen. Während der Severerzeit (193–235 n. Chr.) wurden Medaillons in Gold, Silber und Bronze (oft auch bimetallisch wie das oben gezeigte Beispiel veranschaulicht) hergestellt.

Diese Gattung ist bislang nur unzureichend untersucht. Die ältere Forschung hat überwiegend Corpora (Gnecchi 1912) und Sammlungspublikationen hervorgebracht, ging aber über Einzeluntersuchungen (z. B. C. Perassi, Medaglioni romani dedicati alla celebrazione die ludi circensi, RIN 95, 1993, 385–412; P. R. Franke, Zur Verwendungsdauer römischer Medaillonstempel, Chiron 5, 1975, 407–410; G. Gorini, I medaglioni d'oro di Augusto, AnnIstItNum 15, 1968, 39–61) zu bestimmten Medaillons nicht hinaus. In jüngerer Zeit erst richtet sich der Focus auf übergreifende Studien zu Epochen und Kaisern. So beschäftigt sich Fotini Ntantalia in ihrer 2001 erschienen Dissertation mit den Bronzemedaillons konstantinischer bzw. nachkonstantinischer Zeit (330–363 n. Chr.). Sie wendet hier erstmals die Methode der Stempeluntersuchung auf römische Medaillons an. 2010 ist erneut eine vergleichbare Arbeit von Peter Franz Mittag mit dem Titel „Römische Medaillons. Caesar bis Hadrian“ publiziert worden, in der die Anfangsphase der römischen Medaillonherstellung sowie Stempelkopplungen hadrianischer Medaillons behandelt und historisch ausgewertet werden.

Erstes Ziel des Dissertationsvorhabens ist es, einen möglichst vollständigen Katalog zu erstellen um zunächst Stempelkopplungen – soweit vorhanden – zu untersuchen, sodass eine relative Chronologie der Prägeabfolge entwickelt werden kann, die dann in eine absolute Chronologie überführt werden soll. Vielleicht lassen sich durch die Analyse der Stempelverbindungen Vorschläge für feinere Datierungen bei einzelnen Stücken erarbeiten. Darüber hinaus können auch die Vorderseitenlegenden Hinweise auf die Datierung geben, weil die Titulatur des Kaisers sich im Laufe der Regierungszeit verändert.

Nach dieser umfassenden Beschäftigung mit den einzelnen Exemplaren aus numismatischer Sicht soll sich ein differenzierter archäologischer Teil anschließen, in dem es zuerst um die Bildthemen und ihre ikonographische Umsetzung geht. Hierbei sollen Themenkreise (z. B. Mythologie, religiöse Themen, die Sieghaftigkeit des Kaisers) untergliedert werden und auf ihre Darstellungsart hin untersucht werden. Hierbei wird es auch darum gehen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zur regulären Münzprägung hinsichtlich der Wahl der Themen und der bildlichen Umsetzung herauszuarbeiten. Bei zahlreichen Medaillons kann man Sonderformen des Kaiserporträts feststellen, die ebenfalls untersucht werden sollen.

Anschließend soll eine Betrachtung der ikonographischen und thematischen Querverbindungen zu anderen Gattungen (z. B. Gemmen oder Sarkophage) versuchen, Bildtraditionen bezüglich der kompositorischen Umsetzung einzelner Bildthemen aufzuzeigen.

Das Dissertationsvorhaben soll einen Beitrag zur Erforschung der Severerzeit liefern und das Wissen über diese Epoche im numismatischen, archäologischen und historischen Bereich erweitern.

Kontakt

Jürgen Lorenz M.A.
E-Mail schicken an  juergen_lorenz@web.de E-Mail