Neuerscheinung: Exploring Assur — Volume 3
Assur 2025. Further insights into life and death in the New Town
07.07.2026
Karen Radner, Jana Richter and Andrea Squitieri (eds.)
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Dieser dritte Band der Reihe Exploring Assur präsentiert die Ergebnisse der Feldforschungen und Analysen des Assur
Excavation Project von 2025 in Assur, dem heutigen Qal’at Sherqat, mit besonderem Schwerpunkt auf der Neustadt. Herausgegeben von Karen Radner, Jana Richter und Andrea Squitieri, enthält der Band Beiträge von Katleen Deckers, Eileen Eckmeier, Rafał A. Fetner, Helen Gries, Veronica Hinterhuber, F. Janoscha Kreppner, Karina Länger, Birgül Öğüt, Alessio Palmisano, Karen Radner, Jana Richter, Jens Rohde, Claudia Sarkady, Vanessa Schauer, Andrea Squitieri und Poppy Tushingham.
Die fortschreitenden Ausgrabungen im Schnitt NT1, der 2023 angelegt wurde, verfeinern die stratigraphische Abfolge der Neustadt weiter. Vor allem liefern sie wichtige neue Hinweise auf die Kontinuität der Besiedlung nach der Eroberung der Stadt Assur im Jahr 614 v. Chr. Ausgrabungsbefunde und Radiokarbondatierungen dokumentieren nun zwei aufeinanderfolgende hellenistische Nutzungsphasen: das ältere Gebäude C und das jüngere Gebäude A. Gebäude C wurde im Verlauf der Abtragung von Gebäude A neu identifiziert und liefert aufgrund der Konzentration von Webgewichten und zugehörigen Installationen klare Hinweise auf die Textilproduktion dieses Haushalts, während mehrere in die Wohnarchitektur integrierte Bestattungen Einblicke in die sich wandelnden Bestattungssitten der hellenistischen Zeit geben.
Unterhalb dieser Schichten setzten wir die Erforschung des neuassyrischen Gebäudes B fort. Es handelt sich dabei um die großzügig angelegte Residenz einer wohlhabenden Familie. Nach der derzeitigen Rekonstruktion auf Grundlage der Ausgrabungen von 2025 und 2026 umfasste dieses Gebäude mit zentralem Empfangsraum, Höfen und Nebenräumen ursprünglich eine Fläche von etwa 770 Quadratmetern und zählt damit zu den größten bislang bekannten Privathäusern im neuassyrischen Assur. Das Gebäude entging offenbar der Zerstörung während der Ereignisse von 614 v. Chr., und die vorläufigen Keramikanalysen legen nahe, dass zumindest Teile des Gebäudes noch lange nach der Eroberung der Stadt weiter genutzt wurden. Die Ausgrabungen leisten damit einen wichtigen Beitrag zu den aktuellen Debatten über Kontinuität und Wandel in Assur um 600 v. Chr. und darüber hinaus.
Das interdisziplinäre Analyseprogramm erweitert den für Assur verfügbaren umweltarchäologischen sowie organischen und anorganischen Datensatz erheblich. Unsere neuen geoarchäologischen Bohrungen zeigten, dass der Verteidigungsgraben vor der Stadtmauer ursprünglich mehr als fünf Meter tief gewesen sein könnte, und präzisierten zugleich die Baugeschichte mehrerer Tempel in der Altstadt. Bohrungen unter dem Allerheiligsten des Ischtar-Tempels dokumentieren eine Schicht importierten Sandes unterhalb des ersten Baus und lieferten eine Radiokarbondatierung bis in die Frühdynastische Zeit I, wodurch sich die bislang früheste nachgewiesene Besiedlung Assurs bereits in das frühe 3. Jahrtausend v. Chr. datieren lässt. Unter dem Schamasch-Tempel und dem Anu-Adad-Tempel konnten dagegen keine vergleichbaren Sandschichten festgestellt werden.
Unter den Kleinfunden aus neuassyrischer Zeit finden sich ein bronzenes Entengewicht, Bronzefibeln, fragmentierte Steingefäße aus Serpentin und gebändertem Kalzit sowie ein Rollsiegel; daneben Terrakotten verschiedener Zeitstellung, darunter das Fragment einer männlichen Figur mit der charakteristischen makedonischen Kopfbedeckung namens kausia. Dieses sehr fein gearbeitete, in Doppelform hergestellte Stück ist wahrscheinlich ein Import und kann in die Zeit vom späten 4. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. datiert werden. Die Keilschriftfunde sind Fragmente beschrifteter Ziegel und Tonkegel mittelassyrischer Herrscher wie Puzur-Aššur III. (ca. 1521–1498 v. Chr.) und Adad-nerari I. (1305–1274 v. Chr.), die in der jüngeren Architektur wiederverwendet wurden.
Die Untersuchungen von Korb- und Lederresten liefern außergewöhnlich seltene Einblicke in organische Handwerkstraditionen in Nordmesopotamien, darunter sehr wahrscheinlich das erste sicher identifizierte Korbflechtwerk aus neuassyrischer Zeit. Die Reste des in Gebäude B geborgenen Stücks wurden in Köperflechttechnik hergestellt und zur Abdichtung mit Bitumen beschichtet. Die Lederfunde stammen aus hellenistischen Gräbern und dokumentieren Verarbeitungstechniken wie Falten, Prägen und Zugbandverschlüsse. Ihre Erhaltung ist auf die pflanzliche Gerbung unter Verwendung von gerbstoffreichen Pflanzen wie Eiche, Pappel und Maulbeere zurückzuführen, die alle im archäobotanischen Befund von Assur nachgewiesen sind.
Durch die laufenden archäobotanischen Untersuchungen durch Holzkohleanalyse und paläobotanische Bearbeitung der Flotationsleichtfraktion kann eine immer größere Vielfalt an kultivierten und importierten Hölzern und anderen Pflanzen nachgewiesen werden, darunter nun auch die ersten sicheren Belege für Zeder (Cedrus sp.) und Hafer (Avena) im neuassyrischen Assur. Zudem bestätigen diese Forschungen die zeitlich übergreifende Dominanz des Anbaus der trockenheitsresistenten Gerste, wobei die Getreideverarbeitung innerhalb aller ausgegrabenen Gebäude nachgewiesen werden kann. Für die neuassyrische Zeit gibt es deutliche Hinweise auf lokalen Gartenbau, darunter Schnittreste von Feigen- und Palmbäumen sowie Weinreben, die als Brennmaterial genutzt wurden, ebenso wie auf den Anbau von Gemüse, insbesondere Hülsenfrüchten.
Phytolithanalysen aus hellenistischen Bestattungskontexten belegen die bewusste Niederlegung von Pflanzenmaterial. Die Untersuchung der menschlichen Überreste aus diesen Gräbern ergab eine überwiegend junge Bestattungspopulation, wobei alle bestimmbaren Erwachsenen weiblich waren und nur sehr wenige pathologische Veränderungen festgestellt wurden; diese Befunde bieten Einblicke in Bestattungssitten und Demographie im postassyrischen Assur sowie im hellenistischen Nordmesopotamien. Besonders bemerkenswert ist der Fund einer getrockneten Frucht der Schwarzen Maulbeere (Morus nigra) in einem frühhellenistischen Grab, die wahrscheinlich in einem Lederbeutel am Körper der Verstorbenen aufbewahrt wurde: Es handelt sich dabei um die erste sicher identifizierte antike Maulbeerfrucht aus dem alten Vorderasien.
Neben diesen Ergebnissen enthält der Band eine ausführliche Untersuchung des Selman-Hauses, das 1904 als Teil des Grabungskomplexes für Walter Andraes Team errichtet wurde, um zwei ganz wesentliche Mitarbeiter unterzubringen: den Buchhalter Shaul Salman und den Koch Raouf („Vater der einhundertfünfzig Gerichte“), beide aus Hillah bei Babylon. Später wurde das Gebäude von Abdelkadir al-Pachachi bewohnt, dem osmanischen Regierungsvertreter der Ausgrabung, der später Antikenkurator im neu gegründeten Irak-Museum von Bagdad wurde. Durch architekturgeschichtliche und archivalische Untersuchungen rekonstruiert das Kapitel die soziale Welt der Archäologie des frühen 20. Jahrhunderts in Assur und beschreibt die spätere Nutzung des Gebäudes durch das irakische State Board of Antiquities and Heritage und durch das aktuelle Grabungsprojekt.
Format: 30 x 21 cm — Hardcover
Umfang: 270 Seiten, mehr als 220 meist farbige Abbildungen
ISBN: 978-3-935012-74-4
Preis: 65,00 €
© PeWe-Verlag 2026
Kostenloser Download der bisherigen Bände:
Assur 2024 = Exploring Assur 2: https://epub.ub.uni-muenchen.de/127185
Assur 2023 = Exploring Assur 1: https://epub.ub.uni-muenchen.de/115818