Alte Geschichte
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Die Munich Open-access Cuneiform Corpus Initiative (MOCCI)

Ein Kernziel des neu geschaffenen Lehrstuhls für die Alte Geschichte des Nahen und Mittleren Ostens ist die Förderung der Digitalisierung in den Geisteswissenschaften, vor allem durch Schaffung leicht zugänglichen und frei verfügbaren Datenbanken von historischen Quellen. Dabei steht besonders wegen der inhaltlichen Ausrichtung des Lehrstuhls die Verbreitung, Erleichterung und Förderung der aktiven Verwendung und des Verständnisses von offiziellen Inschriften und Archivtexten aus dem antiken Nahen und Mittleren Osten im Vordergrund. Zu Anfang liegt das Hauptaugenmerk auf den Texten des antiken Mesopotamien, die in Keilschrift und in akkadischer und sumerischer Sprache verfasst wurden.

Trotz seines universitären Kontexts richtet sich das Projekt nicht nur an Wissenschaftler und Studierende, sondern auch an eine breitere interessierte Öffentlichkeit. Unter der Leitung von Prof. Dr. Karen Radner und Dr. Jamie Novotny will MOCCI innovative Möglichkeiten nutzen, um Nutzern den Zugang zu den vielfältigen und historisch bedeutsamen Inhalten der Keilschriftcorpora zu erleichtern. Dazu werden die Editionen, zunächst primär der Texte aus der ersten Hälfte des ersten Jahrtausend v. Chr., geo-referenziert und linguistisch annotiert. Das Ziel ist es viele der reichhaltigen Primärquellen aus Assyrien, Babylon und den zeitgenössischen Reichen online und frei zugänglich zu machen, in einem Format, das sich sowohl leicht durchsuchen lässt, als auch umfassend annotiert und linguistisch und lexikalisch aufgearbeitet ist.

Arbeitsstand

Momentan konzentriert sich unsere Arbeit auf zwei zentrale digitale Textcorpora:

(1) Official Inscriptions of the Middle East in Antiquity (OIMEA); und
(2) Archival Texts of the Middle East in Antiquity (ATMEA).

(1) Das Projekt Official Inscriptions of the Middle East in Antiquity (OIMEA) umfasst mehrere Unterprojekte, die direkt oder indirekt von verschiedenen Mitgliedern unseres Teams verantwortet werden, darunter besonders Alexa Bartelmus und Jamie Novotny. Neben akkadischen und sumerischen Texten wird OIMEA in Zukunft auch Corpora offizieller Inschriften in anderen Sprachen integrieren, darunter auch Texte in Sprachen wie Aramäisch, Luwisch, Phönizisch, Altpersisch und Urartäisch. Die momentan laufenden OIMEA-Unterprojekte sind:

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(a) RIAo wird auf den neusten Stand gebrachte und annotierte Editionen jeder bekannten assyrischen Inschrift vom Ende des dritten Jahrtausends v. Chr. bis zum Ende des Reiches im späten 7. Jahrhundert v. Chr. enthalten. Daneben umfasst es viele detaillierte Informationsseiten, die dazu dienen diesen wichtigen antiken Quellen in ihrem historischen und kulturellen Kontext zu präsentieren. Das erste Ziel besteht in der Retrodigitalisierung jener 866 Inschriften, die A. Kirk Grayson in drei Bänden des inzwischen eingestellten Royal Inscriptions of Mesopotamia (RIM) Projekts an der University of Toronto veröffentlicht hat. Zunächst geht es dabei einerseits um die Indizierung aller Eigennamen von Personen, Orten und Göttern des Gesamtcorpus, andererseits um die linguistische und lexikalische Aufbereitung der Inschriften der frühen neuassyrischen Zeit (934-745 v. Chr.), beginnend mit Assurnasirpal II. (883-859 v. Chr.). Das Material aus der Zeit nach 745 v. Chr. wird in Kooperation mit dem Projekt Royal Inscriptions of the Neo-Assyrian Period (RINAP) unter der Leitung von Grant Frame (University of Pennsylvania, Philadelphia) digital aufbereitet. Jamie Novotny bereitet dafür momentan neue Online-Editionen der Königsinschriften von Assurbanipal, dem letzten bedeutendem König des assyrischen Reiches, sowie seiner weniger bekannten Nachfolger vor (668-612 v. Chr.).

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(b) RIBo zielt darauf ab, aktuelle Editionen aller bekannten akkadischen und sumerischen Königsinschriften der Herrscher Babylons zwischen 1157 und 64 v. Chr. vorzulegen, die ebenfalls mit nützlichen und interessanten Informationen und detaillierten Bibliographien ergänzt werden. Einige der etwa 450 Texte, die in diesem langfristig angelegten Projekt aufgearbeitet werden, basieren auf Publikationen von Grant Frame, Rocío Da Riva und Hanspeter Schaudig, während andere der annotierten Editionen von Projektmitarbeitern auf Basis von bislang unveröffentlichtem Material durchgeführt werden, das freundlicherweise von unseren Forschungspartnern Grant Frame (University of Pennsylvania, Philadelphia) und Rocio Da Riva (Universitat de Barcelona) zur Verfügung gestellt wird. Mittelfristig soll RIBo auch die offiziellen Inschriften des dritten und zweiten Jahrtausends v. Chr. umfassen, darunter diejenigen der Könige von Agade, der ersten babylonischen Dynastie und der Kassitenzeit.

(c) Die Seiten des Projekts Inscriptions of Suhu online enthalten lemmatisierte Umschriften und durchsuchbare englische Übersetzungen der bekannten offiziellen Inschriften der Könige, die im ersten Jahrtausend v. Chr. über das kleine, aber wichtige Königreich Suhu am Mittleren Euphrat im heutigen Grenzgebiet zwischen Syrien und Irak herrschten. Darüber hinaus werden Ressourcen und weiterführende Materialien für deren Erforschung bereitgestellt.

(d) Das Electronic Corpus of Urartian Texts (eCUT) wird überarbeitete, annotierte und durchsuchbare Editionen der Texte enthalten, die von den Herrschern von Urartu stammen, ihres Zeichens Hauptrivalen der Assyrer. Dr. Birgit Christiansen ist zur Zeit mit der Retrodigitalisierung, Aktualisierung und Lemmatisierung von Mirjo Salvinis vierbändigem Corpus dei Testi Urartei befasst.

(e) Achaemenid Royal Inscriptions online (ARIo) wird das vollständige Corpus der Königsinschriften der Achämeniden zugänglich machen. Inhaltlich basiert das Projekt primär auf Rüdiger Schmitts Die altpersischen Inschriften der Achaimeniden und auf digitalen Daten, die freundlicherweise von Dr. Matt Stolper zur Verfügung gestellt worden sind und aus dem aufgegebenen Achaemenid Royal Inscriptions project stammen. ARIo wird von Henry Heitmann-Gordon betreut.

(2) Das Projekt Archival Texts of the Middle East in Antiquity (ATMEA) stellt zunächst eine ausgebaute und aktualisierte Version des Projekts State Archives of Assyria online (SAAo) dar, das im Jahr 2007 von Karen Radner am University College London initiiert wurde. Dr. Mikko Luukko lemmatisiert zur Zeit Briefe (darunter den Briefwechsel zwischen den assyrischen Königen Asarhaddon und Assurbanipal und dem inneren Kreis ihrer Hofgelehrten), Staatsverträge und Treueeide (darunter die berühmte Verteidigung aller Statthalter und Klientenherrscher über Asarhaddons Nachfolge) und astrologische Berichte aus Ninive. Mittelfristig wird ATMEA das auf Ninive konzentrierte SAAo-Corpus dadurch erweitern, dass annotierte Editionen von Archivtexten hinzukommen, die in den assyrischen Hauptstädten Assur und Kalhu (Nimrud) gefunden wurden, aber auch in kleineren Provinzorten, wie etwa Burmarina (Tell Shiouq Fawqani), Dur-Katlimmu (Tell Sheikh Hamad), Ma’allanate (Fundort unbekannt), Til-Barsip (Tell Ahmar) und Tušhan (Ziyaret Tepe). Langfristig sollen dann auch verschiedene Corpora neubabylonischer Archivtexte in ATMEA eingegliedert werden. Zu diesem Zweck werden derzeit mögliche Kooperationen mit potentiellen Forschungspartnern ausgelotet, die uns ermöglichen können, dieses Material zugänglich zu machen.

Zwischenziele

Wir planen OIMEA und ATMEA zu vereinen, um unseren Nutzern zu erlauben, beide annotierte und georeferenzierte Datenbanken gleichzeitig zu durchsuchen. Als ein weiteres Element unserer geplanten, integrierten Benutzeroberfläche Ancient Records of Middle Eastern Polities (ARMEP) befindet sich weiterhin eine interaktive Karte in Entwicklung, die in Zusammenarbeit mit der IT-Gruppe Geisteswissenschaften entsteht. Diese soll nicht nur die Fundorte antiker Texte und die gut lokalisierten Städte und Regionen, die in den Texten erscheinen, anzeigen, sondern es auch erlauben, die Textcorpora von der Karte ausgehend zu benutzen. Die Benutzeroberfläche wird so entworfen, dass sie Benutzern erlaubt die Texte und/oder die in ihnen erwähnten Orte nach Fundort, Objekttyp, Materialbasis, Sprache/Schrift, Zeitstellung (Jahrhundert, Herrscher, genaues Datum, etc.), Museumssammlung, Katalognummer, Ausgrabungsnummer, und/oder Genre zu filtern.

Bulletin of the Munich Open-access Cuneiform Corpus Initiative

Das Bulletin of the Munich Open-access Cuneiform Corpus Initiative (BMOCCI) ist eine unregelmäßig erscheinende, frei zugängliche Publikation, die besonders dazu dienen soll, existierende Publikationen des Neo-Assyrian Text Corpus-Projekts (NATC, unter der Leitung von Simo Parpola, Universität Helsinki), des Royal Inscriptions of Mesopotamia-Projekts (unter der Leitung von A. Kirk Grayson, University of Toronto) und des Royal Inscriptions of the Neo-Assyrian Period-Projekts (RINAP, unter der Leitung von Grant Frame, University of Pennsylvania) zu korrigieren, ergänzen und aktualisieren.

Die im Bulletin erscheinenden Beiträge dienen primär dazu sowohl wichtige, als auch geringere Unterschiede zwischen unserer Onlineversion eines Textes und der ursprünglichen Publikation zu dokumentieren und zu diskutieren. Die so veröffentlichten Anmerkungen, Corrigenda und Addenda, verbesserte Nachdrucke veröffentlichter Buchseiten und neue Studien werden unseren Teammitgliedern als Plattform dienen, auf der relevante Informationen schnell verbreitet werden können. Geeignete Beiträge von Anderen, die mit diesen Daten arbeiten, sind ebenfalls herzlich willkommen. Dazu wenden Sie sich bitte an Dr. Jamie Novotny (jamie.novotny@lrz.uni-muenchen.de).

 

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