Alte Geschichte
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Die Publikation der Ausgrabungsergebnisse in Tell Sheikh Hamad, Dur-Katlimmu

Die Publikation der Ausgrabungsergebnisse in Tell Sheikh Hamad, der antiken neuassyrischen Provinzmetropole Dur-Katlimmu

Der spätbronze- und eisenzeitliche Fundort Tell Schech Hamad liegt am östlichen Ufer des Habur in Nordostsyrien und konnte durch zahlreiche Keilschriftfunde als das assyrische Provinzzentrum namens Dur-Katlimmu identifiziert werden. Der Ort befand sich etwa 230 km westlich der assyrischen Kulthauptstadt Assur, mit der es über eine Königsstraße durch die Steppe direkt verbunden war. Das assyrische Kerngebiet mit seinen Hauptstädten Assur, Nimrud, Dur-Scharrukin und Ninive liegt am Tigris im Irak, wo seit den 1970er Jahren wegen der instabilen Sicherheitslage und zahlreicher Kriege keine Langzeitausgrabungen stattfinden konnten. Folglich stammen die archäologischen Kenntnisse hauptsächlich aus umfangreich Altgrabungen, die in der Pionierzeit der archäologischen Erschließung Mesopotamiens vor über 100 Jahren durchgeführt worden sind aber in Ausgrabungstechnik und Dokumentation nicht die moderne Standards erfüllen.
Dagegen konnten in Tell Sheikh Hamad/Dur-Katlimmu unter Leitung von Prof. Dr. Hartmut Kühne, FU Berlin, 1978 ein modernes, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziertes interdisziplinäres Langfristvorhaben initiiert und durchgeführt werden. Wegen des in Syrien ausgebrochenen Bürgerkrieges mussten die Arbeiten vor Ort in Syrien 2010 eingestellt werden. Das Projekt endete 2013.
Im Rahmen der Forschungsvorhaben Alexander-von-Humboldt Professur für die Alte Geschichte des Nahen und Mittleren Ostens werden von PD Dr. Janoscha Kreppner (Abb. 1) zwei Publikationsprojekte vorangetrieben.

 

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1. Janoscha Kreppner bei der Arbeit im Tell Šēḫ Ḥamad Archiv der Freien Universität Berlin im März 2016.

(1) Stratigraphie und Architektur der Nordostecke der Unterstadt II

Die Studie konzentriert sich auf die Auswertung der Stratigraphie und Architektur des Grabungsabschnittes in der Nordostecke der Unterstadt II, wo ungefähr 10.000 m² freigelegt worden sind (Abb. 2). Die Erweiterung des Siedlungsgeländes um die Unterstadt II erfolgte zu Beginn des ersten Jahrtausends v. Chr. und umfasste eine Fläche von etwa 52 ha. In der Nordostecke befinden sich fünf separate Gebäude, offene Plätze, ein Teil der Stadtmauer, sowie ein Wasserversorgungssystem. Das multifunktionale, palastartige Gebäude F/W ist das größte und wichtigste in diesem Bereich. Es bedeckt eine Fläche von 3768 m² und besaß fast 50 Räume. Das Ziel des Publikationsvorhabens ist, das sich verändernde Stadtbild sowie die sozialen und administrativen Strukturen der Bewohner von Dur-Katlimmu aus dem reichhaltigen archäologischen Material herauszuarbeiten. Im Rahmen dieser Studie werden von Jens Rohde ein digitaler steingerechter Gesamtplan und Profilzeichnungen des Grabungsabschnittes Nordostecke erstellt.

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Luftbild des Grabungsabschnittes „Nordostecke“ der Unterstadt II von Dur-Katlimmu aus dem Jahr 1990.

(2) Die eisenzeitlichen Gräber von Dur-Katlimmu

In dem Grabungsabschnitt der Mittleren Unterstadt II wurde mit den sogenannten „Neuassyrischen Residenzen“ und dem „Roten Haus“ eine stratigraphische Abfolge von Gebäuden freigelegt, die von der Zeit zwischen dem frühen Neuassyrischen Reich (ca. 900 v. Chr.) bis in die erste Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. datiert, als das Neubabylonische und anschließend das Achämenidische Reich das Assyrische als führende politische Macht Vorderen Orient abgelöst hatten. Unter den Fußböden dieser Gebäude wurden etwa 40 Gräber gefunden, die sich in zwei Gruppen einteilen lassen.
Die erste Gruppe beinhaltet Grabtypen wie Grüfte, Topf- und Erdgräber mit Körperbestattungen, die aus anderen neuassyrischen Fundorten, z.B. Assur, bekannt sind. Die zweite Gruppe beschreibt einen neuen Grabtypus, der als „primäre Brandgrubengräber“ bezeichnet wird (Abb. 3). Auf Basis der archäologischen Funde und Befunde der Gräber sowie der sterblichen Überreste von etwa 40 Einwohnern der antiken Stadt untersucht diese Studie Bestattungspraktiken und die sich wandelnden Lebensumstände in Dur-Katlimmu. Da für die meisten Grabkontexte aus vergleichbaren neuassyrischen Stätten keine anthropologischen Daten vorliegen, stellt diese Gruppe den momentan größten Datensatz dar. In einzigartiger Weise machen die anthropologische, paläopathologische und archäologische Auswertung möglich, die Krankheiten und Lebensumstände der Individuen zu rekonstruieren.

 

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2. Neuassyrische Residenzen, Haus 1, Hof Z: Primäres Feuerbestattungsgrab 04/20. J. Kreppner, The New Primary Cremation Custom of Iron Age Tell Sheikh Hamad / Dur-Katlimmu (North-eastern Syria), in Peter Pfälzner, Herbert Niehr, Ernst Pernicka, Sarah Lange (Hrsg.), Contextualising Grave Inventories in the Ancient Near East, Qatna Studien Band 3, Wiesbaden 2014, 171-186; Fig. 10, © Tell Šēḫ Ḥamad Archive, Berlin).

Mehr über Dur-Katlimmu können Sie erfahren auf www.schechhamad.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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