Alte Geschichte
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Identität und Konkurrenz - Die Entwicklung des kaiserzeitlichen Hermupolis Magna (Arbeitstitel, Dr. A. Free)

Habilitationsprojekt Dr. Free

Nicht weit von der einstigen pharaonischen Hauptstadt Amarna in Mittelägypten befindet sich Chemenu, in ptolemäisch-römischer Zeit Hermupolis Magna genannt. Bereits in pharaonischer Zeit zählte Hermupolis, die Stadt des ägyptischen Gottes Thot bzw. des griechischen Götterboten Hermes, zu den bedeutendsten Kultzentren Ägyptens und war Sitz der Verwaltung des 15. oberägyptischen Gaus. In griechisch-römischer Zeit erlebte der Ort eine neue Blüte, wie nicht nur der archäologische Befund, sondern auch die nahe gelegene Nekropole Tuna el-Gebel verdeutlichen. Mit über 1500 publizierten Papyri kann Hermupolis Magna darüber hinaus neben dem Faijum und Oxyrhynchos zu den Hauptfundorten papyrologischer Überlieferung gezählt werden.


free_hermupolis_basilikaDie altertumswissenschaftliche Forschung vernachlässigte indes die Geschichte und Entwicklung des antiken Hermupolis. Die einzige Stadtgeschichte in monographischer Form stammt aus dem Jahre 1918. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch erst ein Bruchteil des überlieferten Quellenmaterials erschlossen. So stellt ein kurzer Eintrag im Lexikon der Ägyptologie von 1977 den aktuellsten zusammenhängenden Abriss zur Geschichte von Hermupolis dar. Der Fokus des Artikels ruht jedoch maßgeblich auf dem pharaonischen Chemenu, während die ptolemäisch-römische Zeit weitgehend unberücksichtigt bleibt.

Ansicht der Basilika in Hermupolis Magna


Angesichts einer solchen Forschungslage stellt eine Studie zu Hermupolis Magna ein großes Desiderat in der Erforschung des griechisch-römischen Ägypten, aber auch der antiken Stadtforschung generell, dar. Neben den Papyri und vereinzelten Nachrichten in der literarischen Überlieferung liegen mittlerweile eine umfassende archäologische Dokumentation sowie an die hundert Inschriften vor. Das Material gewährt nicht nur einen Einblick in die persönlichen Verhältnisse der Bewohner, sondern auch in die verwaltungstechnischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten von Hermupolis Magna.

Das Habilitationsprojekt setzt sich daher zum Ziel, eine Stadtgeschichte der Gaumetropole unter Berücksichtigung des neu erschlossenen Quellenmaterials vorzulegen. Der Schwerpunkt soll dabei nicht zuletzt aus Gründen der Überlieferung auf dem römischen Hermupolis des 1. bis 4. Jhs. n. Chr. liegen. Spezielles Augenmerk verdient dabei insbesondere das Verhältnis der Gaumetropole zu der im Jahre 130 n. Chr. durch Kaiser Hadrian gegründeten Nachbarstadt Antinoopolis auf dem gegenüberliegenden Nilufer. Die Bürger von Antinoopolis erhielten eine Reihe von Privilegien, wie ein besonderes Eherecht oder Befreiung vom Liturgiewesen, die sie gegenüber den Bewohnern von Hermupolis abhoben. Nicht zuletzt aufgrund der geringen Entfernung von ca. 8. km Luftlinie wird sich eine ausgeprägte Konkurrenz, aber auch ein fließender Austausch zwischen der altehrwürdigen Gaumetropole und der hadrianischen Neugründung entwickelt haben. Der Einfluss des zunehmend prosperierenden Antinoopolis auf die Demographie, Wirtschaft und Kultur von Hermupolis soll daher im Zentrum der Studie stehen.

In der Habilitation soll dadurch nicht nur ein Blick auf die Mechanismen städtischer Konkurrenz, sondern auch auf die Ausprägung städtischer Identität im römischen Ägypten geworfen werden.