
Wir waren dabei als Neil Armstrong am 21. Juli 1969 als erster Mensch den Mond betrat und seine berühmten Worte sprach; wir waren dabei als am 09. November 1989 die Mauer fiel und sich die Grenzen der DDR in den Westen öffneten; wir waren live dabei als am 11. September 2001 das zweite für terroristische Zwecke mißbrauchte Flugzeug in den zweiten Turm des World Trade Centers stürzte, als Menschen in den Tod sprangen, die Twin Towers nach einiger Zeit Live-Berichterstattung kollabierten und einem Ereignis den Namen gaben: 09/11.
Auch für die modernen Kriege gilt: Wir waren dabei. Beispiel Irak: Zunächst 1991 im Unternehmen „Desert Storm“ mit Peter Arnett und CNN, dann wieder 2003 mit George W. Bush´s „Shock-And-Awe-Kampagne“, nun aus den unterschiedlichsten Kameraeinstellungen heraus mit „embedded journalists“ und einem wahren Medien-Krieg, den mittlerweile auch die östliche Welt mit Al-Dschasira zu inszenieren wußte.
Menschen, Zivilisten (!) begannen ein Doppelleben zu führen: Real demonstrierten sie auf den Straßen gegen den Krieg und für den Frieden, virtuell - aus den unterschiedlichsten Kameraeinstellungen heraus - zogen sie als mediale Krieger in den Krieg, einen Krieg der Bilder. Auffallend war dabei, daß ein erklärter Zivilist es nicht als Paradoxon verstand, zugleich medialer Krieger zu sein, sondern das eine, wie das andere mit wahrer Leidenschaft betrieb. Welch´ ein Bild: Kriegserklärungen, Lagebesprechungen und Computerspielen gleichende, blutarme Schlachtfelder gestaltet von CNN & Co mit deutlichem Regierungseinfluß (wie die Forschung hervorhebt) und immer mit dabei im sauberen Krieg der Medien - die medialen Krieger.
Diesem Medien-Hype hat man einiges zu verdanken, beispielsweise die Wahrnehmung, daß nun so modern Empfundenes sich bei genauerem Hinsehen als antik entpuppt. Denn bereits im kaiserzeitlichen Rom gab es diese medialen Krieger, auch wenn sie der Gewalt deutlich weniger absprachen, als wir Westlichen dies heutzutage offiziell bekunden.
Das vorliegende Dissertationsprojekt hat es sich zum Ziel gesetzt, diesen antiken medialen Kriegern nachzuspüren, zu untersuchen welchen inszenierten Krieg sie wie erlebten und mit welchen Medien sie es zu tun hatten. Dabei scheint der Kaiser und seine Inszenierung im Rahmen dieser medialen Kriegswelt eine entscheidende Rolle gespielt zu haben, denn an ihn geknüpft entfaltet sich ein feines Netz von Interaktionen zwischen Menschen und Medien.
Domitian als Drehpunkt dieser Betrachtungsweise heranzuziehen, mag zunächst paradox erscheinen. Dies gilt allerdings nur für den ersten Blick. Bei näherer Betrachtung gewinnt er zusehends und erweist sich als äußerst spannender und faszinierender Protagonist im antiken Krieg der Medien.
Andrea Schütze M.A.
E-Mail