Alte Geschichte
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Germanen im römischen Heerdienst des 5. Jahrhunderts n. Chr. (M. von Löwenstein)

Eine der populärsten Begründungen für den Untergang des (West-)Römischen Reiches war und ist die Behauptung, dass durch das verstärkte Anwerben nichtrömischer – vornehmlich germanischer – Truppen in römische Dienste letztlich die Schlagkraft des (west-)römischen Militärs unterminiert wurde; dies habe zum beschleunigten Verfall des Reiches beigetragen. Diese „Barbarisierung des römischen Heeres“ (Gosse 1920, zuletzt aber auch Stoll 2001) wurde schon von den Zeitgenossen kritisch betrachtet (z. B. Ammianus Marcellinus) und wird auch in der modernen Geschichtsforschung als Fehlentwicklung gesehen, da die Germanen als undiszipliniert und schwankend in ihrer Loyalität gegenüber Rom galten.

Dieses Dissertationsprojekt soll prüfen, ob diese Behauptung einer wissenschaftlichen Analyse stand hält. Immerhin hielten die spätestens seit der Mitte des 4. Jahrhunderts weitgehend  aus germanischen Kriegern bestehenden römischen Legionen noch über Dekaden das Imperium zusammen und am Leben; und dies obwohl ständige Bürgerkriege und Usurpationsversuche, der Einfall der Hunnen und nicht zuletzt die Völkerwanderung und ihre Folgen sie massiv bedrängten. Es waren germanische Heerführer in römischen Diensten, wie etwa Stilicho oder Bauto, die die Geschicke des Reiches nachhaltig bestimmten und entschieden die Verteidigung der Grenzen organisierten.

Daher hat dieses Forschungsprojekt zwei Ziele: Zum einen soll untersucht werden, wie die Germanen in die spätrömische Armee integriert wurden und inwiefern sich dadurch auch deren Ausrüstung, Strategie und Taktik änderten. Es soll aufgezeigt werden, woher diese Entwicklungen stammten und ob tatsächlich durch diese Einflüsse die römische Armee an Disziplin und Schlagkraft verlor.

Zum zweiten soll eine prosopographische Erfassung aller uns bekannten Germanen im Dienste der römischen Armee im 5. Jahrhundert n. Chr. erarbeitet werden. Eine solche Arbeit liegt zwar schon von Manfred Waas aus dem Jahre 1965 vor, allerdings nur über die Germanen des 4. Jahrhunderts n. Chr. Seine Arbeit soll mit dieser Dissertation fortgesetzt werden, und eine Brücke zwischen den Entwicklungen im weströmischen und jenen im oströmisch-byzantinischen Reichsteil bilden, dem wohl wichtigsten – weil von den Auswirkungen her am folgenreichsten – Zeitabschnitt in den Beziehungen zwischen Germanen und dem Römischen Reich.

 

Kontakt

Marcus von Löwenstein M.A.

marcus.von.loewenstein@gmx.de