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Traianus Decius – Der erste illyrische Kaiser Roms (R. Kernert)

Betreuer: Prof. Dr. Kay Ehling

Caius Messius Quintus Traianus Decius bestieg im Jahr 249 durch Usurpation und Bürgerkrieg den römischen Kaiserthron. Zu diesem Zeitpunkt war der gebürtige Pannonier bereits sechzig Jahre alt und hatte eine geradezu klassische Ämterkarriere durchlaufen. Unter anderem hatte er die konsularen Statthalterposten in Niedermösien und der Hispania Citerior bekleidet. Im Sommer 251 fiel er im Kampf gegen die Goten bei Abrittus.

Angesichts seiner knapp zwei Jahre währenden Herrschaft kann Decius eigentlich kaum als prägende Gestalt der römischen Kaiserzeit angesehen werden. Andererseits: Eine gewisse Prominenz erlangte er - auch abseits der althistorischen Forschung - durch die so genannte „Christenverfolgung“. Während dieser zahlreiche Einzeluntersuchungen und zuletzt eine Monographie gewidmet wurden, fehlt bislang eine einheitliche, zusammenhängende Gesamtdarstellung der Regierungszeit des Decius.

Das Dissertationsvorhaben soll diese Lücke schließen und widmet sich deshalb der Herrschaft des Decius in seinen verschiedenen Facetten. Da es sich im Kern um eine Kaiserbiographie handelt, ist die Gliederung weitgehend vorgegeben. Der erste Teil wird die geographische und soziale Herkunft, die frühe Karriere und die Usurpation des Decius thematisieren. Daraufhin sollen seine zentralen Maßnahmen als Kaiser beleuchtet werden. Im Fokus des innenpolitischen Kapitels stehen dabei das berühmte Opferedikt (aus dem die erwähnte „Christenverfolgung“ resultierte), ferner das Verhältnis zum Senat, die personelle und dynastische Politik, Bauprogramm, Münzprägung und Herrschaftsrepräsentation sowie Usurpationsversuche. Den Mittelpunkt des außenpolitischen Teils wird der Gotenkrieg an der unteren Donau bilden. Zusätzlich soll auf das Verhältnis zum Sasanidenreich und einen möglicherweise geplanten Orientfeldzug eingegangen werden.

Neben diesen typischen Elementen einer römischen Kaiserbiographie muss außerdem analysiert werden, ob bzw. bis zu welchem Grad die „Krise des 3. Jahrhunderts“ - in neuester Zeit spricht man von einem „Transformationsprozess“ - um die Jahrhundertmitte virulent war. Dabei gilt es zu prüfen, inwieweit Decius überhaupt als Soldatenkaiser charakterisiert werden kann. Und noch ein Problem stellt sich: Welche Vorbildfunktion besaß der erste illyrische Kaiser auf seine illyrischen Nachfolger? Bekanntlich begründeten spätere Herrscher wie Claudius II. Gothicus, Aurelian oder Probus den neuen Typus des illyrischen Kaisers.

Ein derartiges Projekt besitzt freilich seine Tücken: Die zeitgenössischen literarischen Quellen für Decius’ Herrschaft stammen überwiegend von christlichen Autoren oder sind nur in Fragmenten erhalten. Die heidnischen Breviatoren des 4. Jahrhunderts sind wenig detailreich. Ähnlich verhält es sich mit den byzantinischen Chronisten - von wenigen Ausnahmen abgesehen. Neben einer kritischen Analyse der literarischen Belege ist es folglich unablässig, numismatische, epigraphische, papyrologische und - wenn möglich - archäologische Quellen zu erschließen und auszuwerten.

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Raphael Kernert
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